Über die Erziehung zur Beziehung mit dem Samojeden

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Um einleitend allen klieschehaften Beziehungs-Befürchtungen vorzubeugen möchten wir an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen und zum Ausdruck bringen, dass unsere Hunde nicht zusammen mit uns am Tisch sitzen, wir sie selten verbal mit unseren Alltagserfahrungen zutexten und wir sie nicht mit einer vermenschlichten oder gar partnerschaftlichen Erwartungshaltung überfordern wollen.

Vielmehr verbinden wir mit dem Beziehungsbegriff eine besondere Form des Zusammenlebens, welche auf einer verlässlichen Verbindlichkeit aber auch auf einer besonderen Wertschätzung gegenüber dem Wegbegleiter beruht. Insbesondere die Intensität dieser Beziehungserfahrung - in dem Zusammenleben mit Schlittenhunden - überrascht uns immer wieder aufs Neue. Unserem Eindruck nach obliegen dieser Hundegattung besondere Kompetenzen, welche dem Zusammenleben eine bislang ungeahnte Qualität geben können.

Sicher ist es an dieser Stelle nicht allzuleicht, dem Anliegen der Erziehung in aller Kürze gerecht zu werden. Schließlich gibt es ja eine Vielzahl von umfangreichen Büchern, welche sich dieser Thematik widmen. Daher wollen wir uns auf unsere Eckpfeiler beschränken und stehen für interessierte Rückfrage gerne zur Verfügung.

Unsere oberste Premisse ist stete Freundlichkeit in der gemeinsamen Zusammenarbeit. Sicher gelingt es uns Menschen nicht immer im vollen Umfang unsere Emotionen zu kontrollieren. Insbesondere dann nicht, wenn der Hund der Meinung ist, lieber seinen eigenen Weg laufen zu wollen, lieber aufzustehen und uns hinterherlaufen zu wollen, oder einen laufenden Rehbraten viel interessanter als den eintönigen Weg findet. Aber nichtsdestotrotz ist es an uns, den Hund für gewünschtes Verhalten zu belohnen und lerntheoretisch geht dies nun einmal mit positiven Verstärkern am ehesten.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Hunde weder dem deutschen, noch einem anderen Sprachwortschatz mächtig sind. Es macht wenig SInn, sich mit seinem vierbeinigen Freund in ganzen Sätzen, oder gar in sinnzusammenhängenden Geschichten "unterhalten" zu wollen. Lob oder Tadel muss für den Hund einen Wiedererkennungscharakter haben. Insofern haben wir uns darauf verständigt, die gleichen Worte oder Gesten zu verwenden und abgesicherte Anlässe zu Grunde zu legen. Die Abstimmung aller beteilgten Personen ist hierbei von grundlegender Bedeutung. Zum Einen, um den Hund nicht mit unbekannten Situationen/Anforderungen zu überfordern. Zum Anderen, um den Hund eine transparente Konsequenz zu verdeutlichen. Pendelerziehungen, bei denen der Hund bei dem Einen alles darf, bei dem Anderen aber nicht, sind für den Gesamtprozeß zumeist nicht förderlich.

Klare Grundprinzipien sind für uns:


• der Hund darf uns gerne beim Essen zusehen, frisst aber selbst nach uns
Aus der Genese heraus eine klare Sache. Zuerst sichern sich die ranghöheren Tiere die Nahrung, danach bedienen sich die untergeordneten Tiere. Ausnahmen ergeben sich für uns im sportlichen Alltag. Hier erachten wir es als notwendig, dass der Samojede innerhalb einer bestimmten Zeit nach der Arbeit Energie zu sich nehmen kann.


• der Hund wird nicht freudig aus dem Auto springend als Erster begrüßt
Auch hier spielt das Rudelverhalten eine Rolle. Das selbstständig-beuteziehende Alphatier braucht sich weder ab,- noch anzumelden. Es kann selbst entscheiden und ist den anderen Tieren keine Rechenschaft schuldig. In diesem Zusammenhang wird das bellende und meist anspringende Verhalten des Hundes nicht durch die menschliche Zuwendung gefördert. In dieser Situation sind positive Verstärker (wie Ansprechen, Streichlen etc.) für unerwünschtes Verhalten fehl am Platze. Und mal ehrlich, eigentlich begrüßen wir den Hund doch deshalb, damit wir uns besser und willkommen fühlen. (Da ist immer einer der sich freut, wenn ich nach Hause komme.) Wir haben es uns zu eigen gemacht, kleine Alltagsbeschäftigungen zu absolvieren und den Hund dann abzurufen. Neben all den erzieherischen Effekten baut diese Phase auch Stress beim Hund ab.


• der Hund betritt erst den Raum, nachdem wir die Schwelle überschritten haben bzw. wir ihn dazu auffordern
Hinter diesem Prinzip verbirgt sich die Idee, dass wir erst den Raum absichern und für das Rudel verantwortlich sind. Es obliegt nicht dem Hund, für uns Sorge zu tragen, da ihm nicht die Alpharolle zusteht. Für ein langfristiges, entspanntes Miteinander ist es von Vorteil, wenn wir diese Rolle besetzen.

Das Wort "Entspanntheit" trifft hier im doppelten Sinne zu. Rein psycho- und physiologisch fühlen wir uns bei und mit dieser Klarheit entspannter. Dem Hund geht es aber nicht wesentlich anders. Wenn seine Stellung derart klar im Rudel ist, kann er sich zurücknehmen, muss nicht ständig um die Rudelherrschaft ankämkpfen (weil er uns ja so inkompetent findet) und kann sich wohlbehütet fühlen.

Um unserem Grundanliegen noch einmal Nachdruck zu verleihen möchten wir daran erinnern, der Hund wiederholt nur das gerne, was ihm Freude bereitet. Also sind Strafmaßnahmen, insbesondere physische Angriffe gegenüber dem Hund, grundsätzlich von Nachteil und fördern nicht den Vertrauensprozeß. Die Spezies Schlittenhund erleben wir selbst noch einmal als äußerst sensibel und feinfühlig. Daher sollten sich alle Interessierten im Vorfeld ausgiebig und intensiv mit diesbezüglich Erfahrenen in Verbindung setzen. Neben verhaltensmodifizierenden Grundregeln sollte jede individuelle Erwartungshaltung gegenüber der gewünschten Hunderasse abgeklärt werden.
Wir selbst hatten das Glück, auf solche Sportfreunde zurückgreifen zu können und fanden stets ein offenen Ohr.

An dieser Stelle nochmals unseren herzlichen Dank an
Dieter und Rosi von der Wolfscountryranch,
an Heidi und Harry nebst ihren Beautiful of Whitline Samojeden sowie natürlich und nicht zuletzt an
Ivonne und Jörg nebst ihren Barendorfern Samojeden.

 

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