Training des Samojeden

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Egal für welche Form der sportlichen Betätigung sich jeder Einzelne entscheidet, so ist eins nicht von der Hand zu weisen - die ganze Sache hat etwas mit körperlichem Einsatz zu tun. Insbesondere diejenigen, welche sich für ein Zusammenleben mit einem Schlittenhund entscheiden wollen sollten sich darüber bewußt sein, dass in Zukunft ein sehr bewegungsfreudiges Tier ihr Partner sein wird. Daher finden wir den Begriff des Trainings nicht allzuweit hergeholt. Tatsächlich obliegt dieser Prozeß einer gewissen Eigendynamik, welchem zumindest ich mich nicht wirklich entziehen kann. Neben der notwendigen Regelmäßigkeit - welche ich im Sinne der eigenen Psychohygiene als sehr bereichernd empfinde - fasziniert mich die gemeinsame Leistung mit den Schlittenhunden immer wieder aufs Neue. In dem Wort "Gemeinsamkeit" verbirgt sich für mich tatsächlich sowohl der Schlüssel für den innewohnenden Mythos, als auch der Grundstein für das bedingungslose Miteinander.

Auf Grund ihrer Herkunft und ihrer bisherigen Entwicklung besitzen Schlittenhunde eine ihnen innewohnende Lauffreudigkeit, welche bei anderen Hunderassen nur schwer zu finden ist. Wohlgemerkt koppelt sich an diese Lauffreudigkeit ein charakteristischer Arbeitseifer, welcher diese Hunderassen dazu befähigt, selbst enorme Lasten fortzubewegen. An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass Schlittenhunde selbst bis zur vollständigen Erschöpfung laufen würden. Eine vernunftvolle Arbeit und ein entsprechendes Training obliegt also vollständig dem Musher. Auch hier gilt selbstverständlich, das Training muss den Hunden Freude bereiten und sollte nicht mit negativen Erfahrungen besetzt werden.

Vielleicht vorab zu der vermeindlichen Diskrepanz zwischen dem klassischen Hundesport und dem Mushen. Wir selbst entschieden uns bei dem ersten Schlittenhund für eine klassische Grundausbildung und bildeten ihn bis zur Begleithundprüfung aus. Ich war dabei fest der Meinung, dass beides (prima kontrolliert "bei Fuß" gehen und Mushen) nicht im Wiederspruch zueinander stehen müsse. In diesem Zusammenhang war ich auch stets bemüht, entspannte Spaziergänge im Freien zu realisieren und den Beutetrieb weitestgehend zu mindern. Die Folgen dieses Vorgehens waren mir zu der Zeit nicht vollständig bewußt und sollten mich in den Folgemonaten noch einige Tage Arbeit kosten. Die Grundlage für den Arbeitseifer liegt bei den Schlittenhunden in ihrem Beutetrieb begraben. Insofern ist das Sanktionieren von Jagdverhalten nicht unbedingt förderlich für die Arbeit im Gespann. Derzeit verzichte ich zwar nicht auf entspannte Spaziergänge, versuche aber potentiell "beutereiche" Gebiete zu meiden und achte darauf, dass die Hunde sich nicht allzuweit entfernen.

"Darauf achten" soll deutlich machen, dass die Zusammenarbeit und das Training durch eine hohe Konzentration geprägt sein sollte. Wir müssen für unsere Wegbleiter verantwortungbewußt alle Eventualitäten voraussehen. Vielleicht ist dieser Umstand auch ein Grund dafür, dass man einigen Mushern eine gewisse Eigenbrödlerei nachsagt. So ein lustiges Schwätzchen nebenbei ist nicht zu jeder Zeit zu realisieren. Ich selbst befleißige mich, drei Tage in der Woche indidviduell und einen Tag in der Woche mit einem befreundeten Musher im gemeinsamen Gespann zu trainieren. Dieser Rhythmus hat sich für uns ganz gut bewährt und führte zu einer ansprechenden Gesamtkondition der Hunde.

Wir haben uns eher für das Fahren mittlerer Distanzen entschieden. Sicher obliegt die enormen Durchschnittsgeschwindigkeit auf Strecken von 5 km auch einer gewissen Fasziantion. Mit Blick auf langfristige Vorhaben ist uns aber eher die Ausbildung von Ausdauerkraft und nicht die Optimierung der Schnellkraftleistung wichtig.

Grundsätzlich beginnt m.E. die Ausbildung eines Schlittenhundes vom ersten Tag an. Die entsprechenden Kommandos z.B. zum Richtungswechsel haben wir wohl dosiert immer wieder alltäglich mit einfließen lassen. Frei nach dem Motto "steter Tropfen höhlt den Stein" haben wir den Eindruck, dass diese Form der Sensibilisierung nicht abträglich war. Wie bei der klassischen Ausbildung auch haben wir darauf geachtet, dass nach erfolgreicher Bewältigung unmittelbar ein positiver Verstärker erfolgte. Dies macht sich mit Worten und/oder Klicker am besten. Der Einsatz von Leckereien gestaltet sich in diesen Momenten eher schwierig, da der Hund vom eigentlichen Weg wieder abgelenkt wird und sich später u.U. im Gespann immer umdreht, weil er sein Leckerchen erwartet. Ans Herz legen möchte ich den zukünftigen Haltern eine wohlbedachte Wortwahl zum Befehle erteilen und zum Konditionieren. Ein Besispiel:
Ich persönlich habe zum Abrufen neben dem "Hierhin" gelegentlich das Wort "Komm" verwendet. Soweit nicht schlimm. Schwierig wurde es erst, als ich mir darüber bewußt wurde, dass ich später im Lauf,- Fahrtraining das "Komm" - so meine Natur - zum Anspornen verwenden wollte. Darauf hin unterbrach der Hund folgerichtig seinen Lauf und drehte sich zu mir um. Prima dachte ich, dieses Wort konnte ich in der nächsten Zeit erst einmal streichen. Interessant war, dass genau das sich nicht so einfach gestalten sollte.

Was das "eigentliche" Training anbelangt gibt es offensichtlich auch unterschiedliche Ansätze. Wir selbst haben anfänglich die alltäglichen Spaziergänge systematisch ausgedehnt und lassen die Hunde grundsätzlich bis zum zehnten Monat ohne jeglichen Wiederstand laufen. Wer einmal einen Schlittenhund an der Leine hatte weiß, wie schwierig hier eine entsprechende Entlastung fällt. An dieser Stelle der Hinweis, vom Lebensalter unterschieldich aufwachsende Hunde bedürfen rein quantitativ auch einem unterschiedlichen Laufangebot. Interessante Herausforderung für das eigene Zeitmanagement, kann ich nur sagen. Im Anschluß nehme ich mir einen Monat für den einzelnen Hund und gehe mit ihm (einzeln oder im Gespann) Joggen. Hierbei achte ich lediglich darauf, dass er vor mir an der Leine läuft und bin ansonsten frei von jeglicher Erwartungshaltung. In dieser Phase kann ich noch ganz gut darauf achten, dass der Hund keine übermäßige Zugleistung erbringt und damit eventuell seiner Anatomie schadet. Im Anschluß lasse ich die beiden Hunde vor dem Fahrrad laufen und beginne mit kleinen Strecken von ca. 3 km. Hierbei ist es mir wichtig, dass sich der Junghund langsam an den Druck der Zugleine gewöhnt. Dies bedeutet in dieser Zeit meist eher ein Laufen neben dem Fahrrad, als ein fahren auf dem Rad. Darauf ist zu achten, nicht die Geschwindigkeit macht es. Die Hunde entwickeln - in Abhängigkeit zu Ihrer Kondition - eine eigene Lauffreude, um die wir uns nicht kümmern müssen. Wir müssen Verantwortung dafür tragen, dass die Last nicht zu groß wird, sie sich aber auch nicht daran gewöhnen, dass hinter ihnen jemand Rad fährt und sie nur vorneweg laufen und nicht ziehen müssen. Begeleitend hierzu spannen wir den Hund in ein großes Gespann für wenige Kilometer ein. Der Hund befindet sich hier an einer losen Laufleine und kann sein eigenes Tempo bestimmen. Bei dem geringsten Anzeichen von Ermüdung nehmen wir den Hund mit auf den Wagen und behandeln ihn als Fahrgast. Ansinnen ist, die Gespannhunde kennenzulernen, sich an die Fahrgeräusche zu gewöhnen und einfach am Vorbild zu lernen. Dieser Ablauf führt dazu, dass unsere Hunde ab ca. dem 13. Monat im Gespann "ankommen" und ihrem Bewegungsdrang dort ernsthaft Nachdruck verleihen.

 

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